Stadtkirche 3

BEKENNENDE KIRCHE

1933

Bei den Märzwahlen verfehlt die NSDAP zwar die absolute Mehrheit, durch eine Koalition mit der DNVP kommt Hitler dennoch an die Macht.

Tecklenburger Landbote 3.4.1933

Der vom Zentralkomitee ausgerufene Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April wird auch in Lengerich befolgt. Er zielt auf alle jüdischen Geschäfte (Meyer, Albersheim, Mildenberg, Gutmann, Neufeld).

Ende April soll ein "Dreimännerkollegium" einen Entwurf für eine Verfassung der neuen, reichsweiten evangelischen Kirche erarbeiten. Hermann Kapler (uniert) gehörte ihm an wie auch der lutherische Landesbischof August Marahrens und der reformierte Studiendirektor Hermann Albert Hesse.

Obwohl die Deutschen Christen nicht in die Beratungen einbezogen werden sollten, entsandte Hitler am 25.04.1933 den Deutschen Christen Ludwig Müller in das „Dreimännerkollegium“.

Am 20. Mai wurde das "Loccumer Manifest" vorgestellt, das für die künftige Leitung der zu vereinigenden Landeskirchen einen gemeinsamen lutherischen Reichsbischof und ein Geistliches Ministerium vorsah.

Am 1. Mai (Montag!) finden in allen evangelischen und katholischen Kirchengemeinden Lengerichs Festgottesdienste statt. Anschließend werden per Lautsprecher in den Kirchen die Reden von Goebbels und Hindenburg übertragen.

Pastor Rübesam wird als Sprachrohr der Deutschen Christen als Fachberater für den Kreis berufen.

Am 26. Mai 1933 gelingt es der Jungreformatorischen Bewegung gegen Ludwig Müller Friedrich von Bodelschwingh als Reichsbischof durchzusetzen.

Zumindest Hohne sammelt zu seinen Gunsten Unterschriften.

Unterstützungsaufruf

Auffällig an dem Unterstützungsaufruf der Jungreformatoren für von Bodelschwingh ist die Weglassung ihres Programmpunktes vom 9. Mai:

Wir lehnen im Glauben an den Heiligen Geist grundsätzlich die Ausschließung von Nichtariern aus der Kirche ab.

 

 

Von Bodelschwingh tritt jedoch auf Druck der Nationalsozialisten und wegen der Uneinigkeit der Landeskirchen bereits am  24. Juni zurück.

August Jäger (seit Mai Leiter der Kirchenabteilung im Kulturministerium) war zuvor von der Regierung mit der Geschäftsführung der preußischen Kirchen beauftragt worden. Der DC Pfarrer Bruno Adler ist sein Bevollmächtigter für Westfalen.

Noch am selben Tag beginnt der Theologe Karl Barth seine prägende Schrift gegen den Totalitarismus des Nationalsozialismus:
"Theologische Existenz heute."

Seine Kritik gilt nicht nur den Deutschen Christen, sondern auch den Jungreformatoren besonders wegen des am 23. Juni verfassten "Burgfriedens" mit den Deutschen Christen:

"Sieht man sich das alles an, was die Jung-Reformatorischen nach ihren eigenen Erklärungen schließlich als Streiter für Bodelschwingh in den Gegensatz zu den "Deutschen Christen" und in den Bischofskrieg geführt hat - wirklich was bleibt als Kampfobjekt zuletzt übrig als die Vorstellung von der formalen Selbständigkeit der Kirche gegenüber dem Staat und den politischen Einflüssen, die sie durch die "Deutschen Christen" und durch die Kandidatur Müller mit Recht für bedroht hielten...

Zu Baumeistern einer ernsthaften Erneuerung der Kirche dürften beide gleich wenig berufen sein...

Was wir heute in erster Linie brauchen, ist doch ein geistliches Widerstandszentrum, das zu einem kirchenpolitischen erst Sinn und Verstand geben würde. Wer das versteht, der wird heute nicht einen Kampf, sondern ein sehr schlichtes: Bete und arbeite! auf sein Programm setzen...

Wir versündigen uns nicht nur an Gott, sondern auch an diesem Volk, wenn wir anderen Idealen und Aufgaben nachgehen, die nun eben uns nicht aufgetragen sind...

Wenn doch der deutsche evangelische Theologe wach bleiben oder, wenn er geschlafen haben sollte, heute, heute wieder wach werden wollte!"

Am 26. Juni suspendiert Jäger den preußische Oberkirchenrat (Berlin) und die den Kirchenprovinzen vorstehenden Generalsuperintendenten wegen "Volksverats." Gleichzeitig werden "mit sofortiger Wirkung sämtliche gewählte kirchlichen Vertretungen" aufgehoben und mit DC Leuten ersetzt.

Zwei Tage später besetzt die SA im Auftrag des späteren Reichbischofs Müller die Kirchenzentrale in Berlin.

Erst ein offener Brief Hindenburgs (Erscheinungsdatum 1.7.) setzt diesem Treiben ein vorläufiges Ende.

Für Lengerich gilt noch im Juni:

Amtssiegel der DEK

Am 11. Juli wird die Verfassung der reichsweiten "Deutschen Evangelischen Kirche" unterzeichnet, da sich Deutsche Christen und Jungreformatoren hier einig sind.

Im Dezember werden reichsweit die Jugendgruppen aufgelöst oder können nur als Bibelgesprächsgruppen überleben.

RICHTUNGSWECHSEL

Superintendent Rübesam

Durften die Deutschen Christen in Lengerich anfangs noch mit Fahnen in den Gottesdienst marschieren, so berichtet der Tecklenburger Landbote am 12.7. (elf Tage vor den Kirchenwahlen) über ein Referat von "Pg. Pfarrer Rübesam" über die Unvereinbarkeit von Deutschem Christentum und evangelischer Kirche.

Bereits am Tag der Kirchenwahl 23. Juli - also deutlich vor Gründung des Pfarrernotbundes (21.9.) und der Kundgebung im Berliner Sportpalast (13.11.) - beschließt das Presbyterium:

    "Auswärtigen Geistlichen,
    die Deutsche Christen oder Gegner der bekennenden Kirche sind, 
    werden die Kirchen und Vereinshäuser unserer Gemeinde 
    für Gottesdienste, Amtshandlungen und Vorträge
    nicht zur Verfügung gestellt."

Die Gottesdienste der Deutschen Christen finden deshalb in der Aula der "Mittelschule" statt.

Lengerich konnte zuvor eine Wahl umgehen, indem die Kirchengemeinde eine Wahlliste aufstellt, in der die DC nur als Minderheit vertreten ist.

Nach den reichsweit schlechten Wahlergebnissen löst sich die Jungreformatorische Bewegung Ende Juli auf.

sog. Tecklenburger Bekenntnis (August 1933)

Im August wird Kattenvenne reger Treffpunkt der Tecklenburger Pfarrer bei Pfarrer Pabst. Aus Lengerich sind die Pfarrer Rübesam (Stadtkirche) und Brandes (Hohne) dabei. Ziel der Treffen ist die Herausgabe eines sogenannten "Tecklenburger Bekenntnisses".

Durch Bonhoeffer vermittelt liegen die Thesen spätestens am 18. August den Verfassern der Urfassung des Betheler Bekenntnisses vor.

 

 

 

 

 

 

Auszug: S. 30

In der tecklenburger Tischvorlage für die westfälische Provinzialsynode (22.- 24.8. Soest) wird u.a. für eine strikte Trennung von Staat und Kirche plädiert.

Eine inhaltliche Nähe zur jungreformatorischen Bewegung ist deutlich, denn die Kirche sei auch bereit, durch die erfolgte Abwehr des Bolschewismus dem neuen Staat  "ihre ganze Kraft und Liebe zu schenken."

Auf der Kreis-Synode (15.8.) werden die Thesen 1-3 einstimmig angenommen zur Weiterleitung an die Provinzialsynode. Nicht nur hier, sondern auch auf der Provinzial-Synode wurde die Diskussion ausgesetzt über die Thesen: 

   4. Unsere Stellungnahme zum national-sozialistischen Staat  
   5. Unsere Stellungnahme zu den "Deutschen Christen"

Damit entfiel u.a. auch die Auseinandersetzung über: "Wir müssen aber auf den Unterschied achten, der zwischen dem Verhalten des Staates zu seinen rassefremden Gastvölkern und dem der Kirche zu den an Christus gläubig gewordenen Gliedern des Volkes Israel besteht..."

Von besonderer Bedeutung ist die Abkehr vom Führerprizip und die Umdefinierung von Gemeindeleitung in Punkt 3:

Durch die Rückbesinnung auf eine radikale "presbyterial-synodale Grundlage" wird der "Abendmahlsgemeinde" und besonders deren Presbyterium und dem von ihm benannten Helfern die "Erfüllung der Missionsaufgabe der Gemeinde" zugetraut ("Jugendpflege, Wortverkündigung außerhalb des Gemeindegottesdienstes, Hilfe im Kindergottesdienst, freiwillige Krankenpflege, Verwaltung von Nebenkassen usw."). 

Die Rolle des Pfarrers: "im besonderen soll er sich die geistliche Vertiefung der Abendmahlsgemeinde und ihre Ausrichtung zum Dienst innerhalb der volkskirchlichen Gemeinde zur Aufgabe machen."

Als Hauptaufgabe der Superintendenten wird "die geistliche Vertiefung und die theologische und berufliche Fortbildung der Pfarrer" genannt.

Konsequent wird weiter ausgeführt: auch ein lediglich dem Zeitgeist geschuldetes Bischofsamt kann "nur beruhen auf dem Amt der Wortverkündigung."

Zwei Tage nach der Reichstagung der Deutschen Christen im Berliner Sportpalast verpflichten sich am 15. November die Lengericher und Hohner Presbyter,

    "die Heilige Schrift alten und neuen Testamentes
     und die Bekenntnisse der Väter ...
     jedem Ansturm gegenüber [zu] verteidigen."

In der Stadtkirche werden fortan nachmittags regelmäßig Bekenntnis-Gottesdienste in Andachtsform gehalten.

Fahnenschmuck zur Feier von Luthers 450. Geburtstag am Berliner Schloss (19.11.1933)

1934

Dennoch werden zwei Fahnenmasten für den Kirchplatz angeschafft: eine Fahne in Schwarz-Weiß-Rot und eine Hakenkreuzfahne.

Das Verhältnis zum NS-Staat scheint zu diesem Zeitpunkt also noch positiv zu sein, man wehrt sich hauptsächlich gegen eine Einmischung des Staates in innerkirchliche Angelegenheiten.

So werden im Vereinshaus Räumlichkeiten überlassen für BDM, Jungvolk und Deutsche Angestelltenschaft.

"Wir sind ja hier langsame Leute,
aber es kommt doch einmal"

 

lautet am 10. März ein Kommentar zur Versammlung von 10 Pfarrern und 60 Presbytern des Kirchenkreises im Hohner Vereinshaus.

Eine Einigung wird erzielt zur Gründung einer synodalen Arbeitsgemeinschaft. Außerdem werden fünf Abgeordnete und drei Stellvertreter für die westfälische Provinzialsynode gewählt.

Diese wird aber am 16. März polizeilich aufgelöst. 

Am 23. März erklärt sich Bischof Adler (DEK Münster) als Nachfolger des westfälischen Präses Koch. Diesem weiterhin zu folgen sei "Ungehorsam" und "eine Schädigung des Ansehens unseres jungen nationalsozialistischen Staates."

Dennoch unterstellt sich am 9. April das Lengericher Presbyterium "der geistlichen Leitung der westfälischen Bekenntnissynode."

Am 19. April vertritt Pastor Brandes Westfalen bei der Tagung des reformierten Konvents in Osnabrück.

Bekenntnisaufruf **

Am 5. Mai folgt ein tecklenburger Bekenntnisaufruf, der u.a. von allen Lengericher Pfarrern unterzeichnet wird. In ihm wird besonders die Ablehnung eines hierarchischen Kirchenaufbaus ("Priesterherrschaft") begründet.

Nach der Pensionierung von Pfarrer Kerstein (Februar) handelt es sich nun um die "jungen" Pfarrer Brandes, Rübesam, Veerhoff.

 

Gegenüber dem 1933er "Tecklenburger Bekenntnis" (besonders in den Thesen 4-5) ist hier auffällig der Rückzug auf innerkirchliche Verhältnisse mit dem Verzicht auf eine politische Auseinandersetzung.

Ausweis Pastor Brandes für den Barmer Gemeindetag **

Vom 29.- 31. Mai nimmt Pastor Brandes an dem Gemeindetag "Unter dem Wort" teil, bei dem u.a. die Barmer Theologische Erklärung entsteht.

 

 

 

 

 

 

 

Ab dem 18. Juli werden die Kirchenkollekten nicht nach Münster zu Bischof Adler sondern nach Bad Oeynhausen überwiesen an Präses Koch (BK).

Die größere Gemeindevertretung stimmt dem zu mit 30 Stimmen und 3 Gegenstimmen.

Programm des nach Lengerich verlegten Gemeindetages **

29. Juni: Zusätzlich zur übervollen Stadtkirche verfolgen über 1.000 Menschen auf dem Kirchplatz den Tecklenburger Gemeindetag (Zeitungsartikel).

Oktober:

Die bayrische Landeskirche wurde in zwei Teile zerschlagen (Altbayern und Franken), das Landeskirchenamt in München von der Polizei besetzt und alle Mitarbeiter beurlaubt.

Aus Protest schweigen fortan die Glocken in den bekenntnistreuen Gemeinden, so auch im Kirchenkreis Tecklenburg.

20. Oktober Dahlemer Bekenntnissynode:

"Wir stellen fest: Die Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche ist zerschlagen. Ihre rechtmäßigen Organe bestehen nicht mehr. Die Männer, die sich der Kirchenleitung im Reich und in den Ländern bemächtigten, haben sich durch ihr Handeln von der christlichen Kirche geschieden.

Auf Grund des kirchlichen Notrechts der an Schriften und Bekenntnis gebundenen Kirchen, Gemeinden und Träger des geistlichen Amtes schafft die Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche neue Organe der Leitung. Sie beruft zur Leitung und Vertretung der Deutschen Evangelischen Kirche als eines Bundes bekenntnisbestimmter Kirchen den Bruderrat der Deutschen Evangelischen Kirche und aus seiner Mitte den Rat der Deutschen Evangelischen Kirche zur Führung der Geschäfte. Beide Organe sind den Bekenntnissen entsprechend zusammengesetzt und gegliedert.

Wir fordern die christlichen Gemeinden, ihre Pfarrer und Ältesten auf, von der bisherigen Reichskirchenregierung und ihren Behörden keine Weisungen entgegenzunehmen und sich von der Zusammenarbeit mit denen zurückzuziehen, die diesem Kirchenregiment weiterhin gehorsam sein wollen. Wir fordern sie auf, sich an die Anordnungen der Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche und der von ihr anerkannten Organe zu halten..."

Der Kirchenkreis Tecklenburg wird einen anderen Weg einschlagen:

November

Superintendent Wollschläger und Synodalassessor Beccard treten zurück.

Die Bekennende Kirche wählt Pastor Brandes (Hohne) zum Superintendenten und Pastor Johann to Settel zum Synodalsassessor. 

Die Kirchenleitung in Münster hält dagegen mit August Hermann Johannes Hörstebrock als Superintendenten.

Statt sich einen Schaukampf zu leisten, kooperieren die beiden:

  • Brandes als Theologe und Seelsorger,
  • Hörstebrock als Verwaltungsleiter.

Banning Mausoleum

Lengerich:

Im Austausch für ein Mausoleum auf dem Friedhof für den Multi-Millionär Carl Friedrich Banning (+ 27. Juli, Pittsburgh, Ohio) stiftet seine Familie 4.000 Mark für zwei neue Glocken, die so lange im Besitz der Kirchengemeinde bleiben sollen, wie sie sich zur Bekennenden Kirche hält.

1935

Von den 12.539 Einwohnern Lengerichs wohnen 10.500 in den Außenbezirken.

Die ev. Gemeinde hat 10.378 Mitglieder.

Die Fürbitten für verhaftete Pfarrer der Bekennenden Kirche werden auch in Lengerich übernommen.

Nachdem der Religionsunterricht an den Schulen gestrichen wurde, wird der Konfirmandenunterricht auf 3 Jahre verlängert.

Zu den Übergriffen auf Erich Gutmann (SA (!) 17. August) erweisen sich die Kirchenvertreter als eher politisch lavierend.

29. September: Missionar Illing wird nach Nias verabschiedet.

 

1936

Grundstücke werden verkauft, um Turm und Kirchdach zu sanieren.

Die bestellten Glocken werden eingeholt, bereits 1942 werden sie aber wieder zum Einschmelzen abgeholt (Festschrift zur Glockeneinholung).

Die Jugendarbeit ist auf Bibelstunden umgestellt, Männerkreise halten sich, die Frauenhilfen wachsen (Wechte, Aldrup seit 1929, 1933 Settel, 1935 Schollbruch, 1936 Ringel, Niedermark).

Im Februar tagt die letzte Reichsbekenntnissynode (Bad Oeynhausen). Die Bekennende Kirche spaltet sich im März in den "Rat der evangelisch-lutherischen Kirchen" und "Vorläufige Kirchenleitung."

Im Tecklenburger Sonntagsblatt (36/1936) finden sich immer noch antijüdische Aussagen wie: "Das Volk der Juden aber ist ein Fluch der Völker geworden, weil es den heiligen Willen Gottes verachtet hatte."

 

1937

Trotz Anweisung des Konsistoriums in Münster (DEK-Bischof Adler) weigert sich das Presbyterium, die Stadtkirche den Deutschen Christen für einen Gottesdienst an Weihnachten zu öffnen.

Im April werden die Gemeindeglieder aufgefordert, Mitglied der Bekennenden Kirche zu werden. Innerhalb weniger Wochen unterschreiben hunderte von Gemeindegliedern.

Ca. 700 Mitgliedskarten allein aus dem Pfarrbezirk von Pastor Rübesam sind im Gemeindearchiv erhalten.

1938

Martin Niemöller 1934

Nach einer Kanzelabkündigung gegen die erneute Inhaftierung von Pastor Martin Niemöller und dessen Verlegung in das KZ Sachsenhausen (2.3.) reist am 7. März unter der Leitung von Superintendent Brandes eine sechsköpfige Delegation des Kirchenkreises nach Berlin, um sich (vergeblich) für Niemöllers Freilassung einzusetzen.

Weitere Delegationsmitglieder: Pastor Paul Herring (Wersen) und die Presbyter Wilhelm Beiderwellen (Wersen), Friedrich Harte (Velpe), Wilhelm (?) Lange (Westerkappeln), Friedrich Vogelsang (Hohne).

Am Ostermontag (18. April) morgens um 5 Uhr brechen die Deutschen Christen in die Stadtkirche ein um Gottesdienst zu feiern und die zuvor vom Presbyterium verweigerte Konfirmation nachzuholen.

Am 22. April schreibt das Presbyterium durch Pastor Veerhof einen Brief an die Geheime Staatspolizei in Berlin, dass man weiterhin energisch gegen die Inhaftierung Niemöllers protestiert.

Haus Albersheim

Am 5. September emigriert Erich Gutmann in die USA, Frau und Tochter folgen am 31. Oktober.

Am 9. November bleibt es in Lengerich zunächst ruhig. Die Familie Neufeld muss allerdings erleben, wie die Fensterscheiben ihres Schlachtergeschäfts an der Osnabrücker Str. eingeschlagen werden.

Für den 10. November (wie auch in vielen anderen kleineren Städten) erfolgt die Anweisung der Staatspolizei folgende Personen zu verhaften: 

  • Hermann Abrahamson (32 J.),
  • Eugen Albersheim (30 J.)
  • sowie Felix  und Norbert  Neufeld (42 bzw. 44 J.). 

Sie bleiben in "Schutzhaft" bis zum 18. November.

Abends wird die Synagoge geplündert wie auch das Haus und Geschäft der Witwe Lina ALBERSHEIM zwischen Römer und Stadtkirche (beide Söhne in Haft). Unter Gejohle wird das Haus sogar angezündet. Gelöscht wird nur bei der Stadtkirche und den Nachbarhäusern.

Zu Plünderungen und Vandalismus kommt es außerdem:

  • bei den Familien MEYER
    (im Haus Altstadt 18/20: Sofie und Helene),
  • MILDENBERG
    (im Haus Bahnhofstr. 9: Rika, Rosa, Julius),
  • ABRAHAMSON
    (im Haus Altstadt 16: Rosa, Selma, Hermann)
  • und erneut bei der Familie NEUFELD
    (im Haus Osnabrücker Str. 11/13: Emma, Selma und der neunjährige Werner).

1956 am Gemptturm: Reste der Synagoge (ohne Dach) und jüdischer Schule (Münsterstr. 23).

Das Schicksal anderer in Lengerich geborener Juden:

  • Jacob Kaufmann (68 Jahre)
    wird aus Wuppertal verschleppt (11. 11. - 15. 12. KZ Buchenwald).

Ins KZ Dachau folgen

  • Otto Albersheim (18 Jahre)
    (17.11. - 12.12. von Essen),
  • Albert Mildenberg (47 Jahre)
    (17.11. - 23.12. von Mülheim),
  • Richard Kaufmann (34 Jahre)
    (15.11. - 19.12. von Saarbrücken).

Richard Kaufmann wird Dachau nicht überleben, er stirbt dort am 19. Dezember.

Kirchliche Stellungnahmen?

1939

74% der Bauern wirtschaften noch auf Flächen unter 10 ha.

Auf Anweisung des Konsistoriums dürfen die Deutschen Christen abwechselnd in Hohne und der Stadtkirche alle 8 Wochen ihre Gottesdienste halten.

Ein Jahr später werden die DC Gottesdienste wegen Einberufung des DC-Pfarrers und mangels Beteiligung wieder eingestellt.

KRIEGSWIRTSCHAFT

1940

Unter Protest der Kirchengemeinde werden im Vereinshaus (Schulstr. 52)  u.a. 40 französische Kriegsgefangene untergebracht, die bei B&K arbeiten sollen. Die Gemeinde erhält dafür monatlich 100 RM.

Insgesamt sind in der Lengericher Industrie über 4.000 Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen eingesetzt. Untergebracht werden die Industriearbeiter in Unterkünften / Baracken wie Schulstraße, Auf der Laar, Ringeler Straße, Hullmanns Damm/Rahestraße. Teilweise unter Bewachung werden sie täglich zu ihren Schichten gebracht.

Hinzu kommen die Zwangsarbeiter/innen auf den Bauernhöfen, von denen viele z.B. an der Knemühle untergebracht sind.

Zwangsarbeiterlager Auf der Laar

Am 21. September 1940 erfolgte der erste Abtransport von Patienten der "Provinzialheilanstalt Bethesda" nach Brandenburg.

Zwei weitere Transporte sollten 1941 folgen.

Insgesamt wurden der „Euthanasie“-Aktion „T4“ 440 Menschen aus Lengerich zur Ermordung zugeführt (s.a. Lengericher Gedenkpfad).

Schäden in der Umgebung und an der Stadtkirche

1941

In der Nacht vom 13. / 14. Juli explodiert eine Luftmine in der Innenstadt. Turm und Fenster der Stadtkirche werden in Mitleidenschaft gezogen.

Bahnhofstr. 17

Ausschließlich in der Bahnhofstr. 17 leben die letzten verbliebenen jüdischen Bürger Lengerichs: 

  • Hermann Abrahamson ( 35 J.)
  • Emma Neufeld (76 J.),
  • Norbert Neufeld (47 J.),
  • Selma Neufeld (42 J.),
  • Werner Neufeld (12 J.)

Hinzu kommt noch der polnische Zwangsarbeiter Abraham Antowil (46 J.), der direkt von seiner Arbeitsstelle bei der Seifenfabrick Rietbrock deportiert wurde.

Deportationszug Riga 1941 in Bielefeld ***

Am 9. Dezember werden diese zunächst zum Gertrudenhof in Münster gebracht und 3 Tage später deportiert mit dem Sonderzug Münster-Osnabrück-Bielefeld ins Ghetto Riga.

Ebenfalls im Zug (ab Osnabrück bzw. Bielefeld) sind die Lengericher

  • Julie Meyer mit den Töchtern
    Emilie
    und Helene (Lengerich -> Sögel)
  • sowie Bertha Neufeld,

die eine Woche zuvor Norbert Neufeld geheiratet hatte und in Schötmar aufgegriffen wurde.  

 

Von 1941- 44 gibt es nur noch insgesamt vier Sitzungen des Presbyteriums.

1942

Baracken für russische Zwangsarbeiterinnen werden an der Schulstr. errichtet.

Mehrere Fabriken Lengerichs stellen auf Rüstungsgüter um
(Granaten z.B. bei Geier-Werken, W&H).

Barackenlager für russische Zwangsarbeitereinnen auf dem heutigen EDEKA-Parkplatz. Im Hintergrund rechts das abgerissene Haus Schulstr. 53 (heute Wochenmarkt). Zwischen den beiden Gebäuden ist heute die Awin-Klein-Str.

Von den Lengerichen Juden, die in die Niederlande emigrierten,
werden 1942/43 inhaftiert und umgebracht:

  • Hugo Neufeld (33 J. Auschwitz)
  • Paul Neufeld (40 J. Auschwitz)
  • Hermann Abrahamsohn (67 J. Sobibor)
  • Rosa Abrahamson (77 J. Sobibor)
  • Emmanuel Löwenberg (73 J. Sobibor)
  • Sarah Klara Drokur (Löwenberg) (70 J. Sobibor)
  • Jeanette Löwenberg (65 J. Sobibor)
  • Resi Wolff (Mildenberg)  (23 J. Sobibor)

Zahlreiche Ermordungen von gebürtigen Lengerichern kommen hinzu in
Chelmno, Izbica, Theresienstadt, Buchenwald, Treblinka. 

1944

Ab März 1944 beginnen im alten Tunnel etwa 200 männliche Häftlinge des Konzentrationslagers Neuengamme mit Arbeiten für die Rüstungsindustrie.

Im April wird gestritten, wo die Zwangsarbeiter, Männer, Frauen oder deren Kinder zu beerdigen sind: LWL- Friedhof? Jüdischer Friedhof? Katholischer Friedhof?

Von den drei Pfarrern Brandes, Rübesam, Veerhoff war keiner zum Krieg eingezogen worden.

1945

Am Dienstag, 13. März, wird der Ortsteil Hohne bombadiert von britischen, französischen und niederländischen Einheiten.

Am Ostersonntag (1.4.) hängen an vielen Lengericher Häusern weiße Fahnen.

Ostermontag um 20 Uhr verkündete der britische Rundfunk die erfolgreiche Besetzung Lengerichs.

Stadtkirche Teil 4

 

*    Bilder mit freundlicher Genehmigung von Photohaus Kiepker
**  Landeskirchliches Archiv Bielefeld
*** Yad Vashem

Stadtkirche 1: 1147-1700

Stadtkirche 2: 1700-1932

Stadtkirche 4: 1945 bis heute

AKTUELLES

Zum 1.2.2021 zu besetzen:

A KIRCHENMUSIK-STELLE (100%)

Weitere Informationen

Ev. Kirchengemeinde Lengerich:

TRAUER-FEIERN IN DER CORONA-KRISE

vgl. Bericht tagesschau

Alle anderen Veranstaltungen
(auch Gottesdienste, Taufen, Trauungen)
sind bis Ende April abgesagt.

DIE DECKE FÄLLT AUF DEN KOPF?

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SOMMERFERIEN

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12.- 18.8. 2020

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