HOHNE UND HOHNER KIRCHE

1085

Erst nach den Sachsenkriegen (1073 - 75) und Kaiser Heinrich IV. Gang nach Canossa kann 1085 der kaisertreue Osnabrücker Bischof Benno II. dauerhaft auf die Iburg zurückkehren.

Sogleich beansprucht er den Kirchen-Zehnten zu "Hone". Er gehöre ihm ebenso wie der anderer angrenzender Gebiete.

Die Urkunde ist ohne Jahreszahl.

Iburg

Erst um 1670 (in einem Streit mit dem damals evangelischen Bischof von Osnabrück), datiert der Iburger Abt Maurus Rost die Urkunde auf das Todesjahr von Benno II. (+1088).

1261

Intrup wird erstmals schriftlich erwähnt: Graf Otto schenkt dem Kloster Gravenhorst das Eigentumsrecht an einem Hof "Ymmichtorpe".

Stadtkirchen-Portal von ca. 1250

Beide Ortsteile wenden sich zum Kirchgang zur Stadtkirche nach Lengerich.

1459

Die Knemühle und der Hof Maneke werden von Graf Claus seiner zukünftigen Frau als Morgengabe überschrieben.

NEUZEIT

Böhme, Hinterlassene Abhandlungen (1795)

Esch und Mark

Das Gebiet der Bauernschaft Hohne gliedert sich bis Mitte des 18. Jahrhunderts in zwei Zonen:

  • dem besiedelten und landwirtschaftlich genutzten "Esch" (entlang des Deetweeges)
  • und den südlichen Teil "Mark", der extensiv von allen genutzt wurde.

August Karl Holsche (1788)

1748

Gegen eine Zahlung von jährlich 3.000 Talern an Preußen sind die Untertanen der Grafschaft Tecklenburg vom Wehrdienst befreit (bis 1804/5).

Begründung: sie laufen bei der erstbesten Gelegenheit fort, werden aber auch dringend in der heimischen Leinenherstellung gebraucht...

Heuerhaus am Waldrand von 1786 (Sudenfelder Str. 65)

1781

Die Hohner "Marken" werden aufgeteilt. Am Waldrand entstehen Heuerhäuser, im Süden erhalten eher Bauern die "Zuschläge" mit der Auflage, die neuen Flächen zu entwässern.

HANF

Heuerwesen 1789

Bereits seit der Initiative von Graf Moritz von Bentheim-Tecklenburg (1615- 74) werden im vorindustriellen Zeitalter Hanf und Flachs in einem solchen Ausmaß angebaut, dass Getreide in die Grafschaft importiert werden muss.

Im Gegensatz zu Münster und Osnabrück besteht das tecklenburger "Löwent-Leinen" hauptsächlich aus Hanf und wurde nach Bremen und Hamburg abgesetzt, über Cadiz, Bilbao, London und Amsterdam sogar nach Übersee exportiert.

Dort diente es auf den Zuckerrohr- und Baumwoll- Plantagen als "Ticklenburg (Hanf) / Oznabrig / Osnaburg (Flachs)" den Sklaven als strapazierfähige Sommerkleidung und zum Verpacken der Baumwolle.

Ob die Heuerleute ahnten, dass sie mit ihren Produkten für die Baumwoll-
plantagen sich den eigenen Ast absägten, je effizienter und härter sie arbeiteten?

 

War es ihnen in der Regel finanziell nicht möglich, Haus und Grund zu erwerben, so konnten sie dennoch den Alltag durch Kolonialwaren versüßen, zumal sie die in den Städten fällige Akize (Steuern) umgehen konnten:

Interessant aus den Jahren der Hanfverarbeitung ist die folgende Reisewarnung:

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts verliert sich langsam das Interesse an Hanfanbau und -verarbeitung.

 

SCHULEN UND AUSWANDERER

Hohner Schule I von 1827

1799

konkretisieren sich Pläne für eine erste Hohner Schule. Wohl 1802 wird sie fertig gestellt, aber bereits 1827 wird sie wenige hundert Meter weiter südlich durch eine größere ersetzt (Schule Hohne 1, Alter Schulweg 25).

Hohne 1810 mit Bauernhöfen, Zuschlägen, Leibzucht- und Heuerhäusern sowie der ersten, strohgedeckten Schule am heutigen Niedermarker Damm.

Typische Anzeige (1880er)

1833

Die ersten Hohner Auswanderer (Nord-Amerika):

  • Arnold Heinrich Oberhellmann
    mit Frau und 4 Kindern,
  • Eberhard Brinckmann
    mit Frau und 5 Kindern,
  • Georg W. Tiemann als Einzelperson.


1836

Als "heimliche" Auswanderer aus Hohne (d.h. ohne behördliche Genehmigung) sind bekannt:

  • Gerhard W. Wiesmann (22 Jahre) und Sophia Dellbrüggen sowie 
  • Fr. W. Gerdelmann (20 Jahre) und A. Cath. Gert. Suhre.

Auch sie zieht es nach Nord-Amerika.

Mahnung der Regierung

1838/43

Erste Intruper, die auswandern:

  • Auf der Har/Krewinghaus 
    mit 2 Kindern
  • Vogelsang/Meyer 
    mit einer Tochter
  • M. Friederike Hultmann,
  • Heinr. W. Hilgemann.

Hohne 1841 mit Ergänzung von Straßennamen. Nördlich der Lienener Str. befinden sich nur Heuerhäuser. Im Süden ist die Schule Hohne 1.

Heuerleben 1863

1845

Die goldenen Zeiten sind vorbei, aber noch arbeiten die meisten Heuerlinge nebenberuflich für die Leinenindustrie. Aber nicht mehr für staatlich kontrolliertes Löwend-Leinen, sondern für Packleinen oder  "graues" Leinen.

Hintergrund: die Berge waren schon lange kahl und die Heuerleute hatten somit nicht mehr genug Asche, um das Leinen zu bleichen.

Keine Bäume im Wald bedeutete auch kein Wild mehr in den Bergen:

 

Dat Liäwen ännerd sick von Grund up

1866

Das Königreich Hannover fällt an Preußen.

Damit erledigt sich für so manche Hohner der lukrative "Schleichhandel"
(Salz-Schmuggel) zwischen dem Königreich Hannover (Salinen Rothenfelde)
und Preußen.

Außerdem: die bisher von Hannover verschleppten Pläne einer 2. Eisenbahn vom Ruhrgebiet über Lengerich in die Hafenstädte können nun mit Hochdruck bearbeitet werden.

 

1868

Am Galgenknapp/Intruper Berg sind bis zu 674 Arbeiter beim Tunnelbau der Eisenbahn  beschäftigt.

1869 streiken sie, als die Lohnzahlungen ausbleiben.

1870 sind 20 französische Kriegsgefangene zum Tunnelbau abkommandiert.

Nachrichten über Eröffnung

1871

Am 1. September ist die Strecke zunächst eingleisig eröffnet.

1873

wird der erste Bahnhof an der Lienener Str. seiner Bestimmung übergeben.

Erster Bahnhof an der Lienener Str. 58.

Mit der Erstellung des Bahnhofs wächst auch der Bedarf an Straßen: jeweils von der Gemeindegrenze von Brochterbeck und Lienen wird die Straße zur Chaussee ausgebaut.

Haus Lienener Str. 169 von 1883 (abgerissen)

Im Osten von Hohne lässt die Fertigstellung der Chaussee erste Häuser entstehen zwischen der traditionellen Bauernschaft (Süden) und den Heuerleuten am Waldrand (Norden).

Ab 1872

verändert sich die Bauernschaft dauerhaft: nach dem Tunnelbau entstehen im Hohner und Intruper Esch in rascher Reihenfolge vier Kalkwerke und zwei Zementwerke z.T. mit Hilfe von Investoren aus dem Ruhrgebiet.

Werden Grundstückskäufe 1874 noch damit beworben, dass es verpflichtete Heuersleute gibt, werden bereits 1875 höhere Verkaufserlöse erwartet durch den Hinweis auf Kalkstein im Boden:

1886

Die Fahne der späteren "Schützengilde" zeugt vom beginnenden Vereinsleben in Hohne.

1896 folgt der "Männergesangsverein Lengerich-Hohne".

Dyckerhoff II (Mitte 50er)

1890

Zunehmend tauchen die für Hohne über Jahrzehnte typischen Schornsteine auf.

1892

In der Engen Gasse 12 wird die evangelische Schule Hohne II mit zunächst 2 Klassenräumen und 2 Lehrerwohnungen eröffnet.

1944 sind hier italienische und niederländische Zwangsarbeiter untergebracht, der Unterricht findet im Vereinshaus (Kröner Str.) und in Baracken an der Lienener / Dyckerhoff-Str. statt. 

Im März 1945 werden Teile der Schule zerstört, 1951 ist alles wieder hergerichtet. 1965 wird die evangelische Schule geschlossen.

Parallel befand sich hier von 1958 - 1983 die Lengericher Förderschule.

1893

An der Lienener Str. (Parkplatz Centralhof) wird eine katholische Fachwerk-Kirche eingeweiht.

Drei Jahre später findet der katholische Schul-Unterricht im Gebäude dahinter statt.

1906 erfolgt der Umzug der Schule nach westlich von Baustoffhandel Tecklenburger Land (Bahnhofstr. 103), erneuter Umzug 1955 an die Margarethenstr. 2, 1969 Auflösung.

Werkswohnung "Dr. Mann"

Die Wohnungssituation ist so angespannt, dass Werkswohnungen errichtet werden.

Das erste Haus ist für Dr. Mann von den Wicking-Werken (1896).

Werkswohnungen 1907

Um 1900 folgen Werkswohnungen in der oberen Dyckerhoffstraße, 1907 in der Mozartstraße , 1918 am Schollbrucher Weg.

Intrup / Hohne 1896

Lengerich 1900: Sicht auf Hohne von Westen mit u.a. vier Kalk- / Zementwerken, Katholischer Kirche, dem 1. Bahnhof an der Lienener Str. und der Schule Hohne II.

Wer den Teil dieser Geschichte auf PLATTDEUTSCH nachlesen möchte,
hat hier die Chance im PDF-DOWNLOAD

Flyer zur Hohner Kirche

* Bilder mit freundlicher Genehmigung vom Fotohaus Kiepker

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SO 3. November 16 Uhr, Hohner Kirche

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