Hohner Kirche

Iburger Urkunde

1085: Erst nach dem Sachsenaufstand gegen Kaiser Heinrich IV. und dem Investiturstreit (Canossa) kann der kaisertreue osnabrücker Bischof Benno II. dauerhaft auf die Iburg zurückkehren.

Wenig später beansprucht er den Kirchen-Zehnten zu "Hone". Er gehöre ihm ebenso wie der anderer angrenzender Gebiete.

Gedenkstein in Hohne

Die Urkunde ist jedoch ohne Jahreszahl. Erst 600 Jahre später, um 1670  in einem Streit mit dem damals evangelischen Bischof von Osnabrück, datiert Abt Maurus Rost die Urkunde auf das Todesjahr von Benno II. (+1088).

20. Jahrhundert

Intrup / Hohne 1896

Ab 1870 verändert sich die Bauernschaft: immer schneller wächst die Einwohnerzahl bedingt durch den Anschluss an das Eisenbahnnetz und den Ausbau der Industrie.

1893: An der Lienener Str. wird die katholische Notkirche aus Fachwerk eingeweiht.

Erweiterte Betriebswerkstatt (2017)

1901: Die Teutoburger Wald Eisenbahn wird eröffnet. In Sichtweite der heutigen Kirche entsteht das Bahnbetriebswerk.

1902: Die ev. Frauenhilfe beginnt sich in Hohne zu organisieren.

1905: Ca. 1.000 Menschen arbeiten in der jungen Lengericher Industrie. Die Einwohnerzahl ist von 1871 bis 1905 um 3.968 Menschen auf 10.036 angestiegen.

1906: Oskar Knigge wird Pfarrer im 3. Pfarrbezirk (Hohne, Intrup nördlich der Eisenbahn mit Schollbruch).

Krönerstr. 6 heute

1907: Durch die Innere Mission erfolgt die Gründung einer "Kleinkinderschule" in der Krönerstr. 6 mit einer Gemeinde- und einer "Fabrikschwester".

 

 

Aus den Anfangsjahren

Taufschale aus der Krönerstraße

Bald darauf versammelte sich dort die Gemeinde zunächst alle vier Wochen zum Gottesdienst im Betsaal (Anbau des Kindergartens), ab 1914 jede Woche.

 

 

Altes Pfarrhaus vor 1960

1917: ein großzügiges Pfarrhaus an der Lienener Str. wird gekauft, in das im Oktober Pastor Friedrich Fiebig einzieht.

1919: der Friedhof ist angelegt.

 

 

Trauung Beckmann / Hölscher im Beetsaal

1922: Konfirmationsurkunden der noch gar nicht gebauten "ev.- reformierten Kirche zu Lengerich-Hohne" werden unterzeichnet mit: "Dein Seelsorger Fiebig".

Selbst Hochzeiten werden bis 1925 im Beetsaal abgehalten.

Bau der Kirche

Links vom Eingang Konfirmandenraum, rechts Kirche.

1920: Im März legt Baurat Karl Siebold eine Skizze für eine evangelische Notkirche in Hohne vor mit 460 Plätzen nach dem Prinzip "dehnbare Kirche" (die Kirche ist bei Bedarf um den Konfirmanden- Raum erweiterbar).

Dieser Entwurf stößt bei den Hohnern aber auf wenig Gegenliebe.

Entwurf Mai 1922

1921: Im Sommer wird stattdessen der Architekt Albert Schmöler (Gelsenkirchen-Rotthausen) beauftragt, statt einer "dehnbaren" eine erweiterungsfähige Kirche mit bis zu 1.200 Plätzen zu planen. Zu diesem Zeitpunkt hat der Hohner Bezirk knapp 1.700 Kirchenmitglieder.

40.000 Mark hatten die Hohner bereits angespart. Hinzu kommt am 2. Juli eine Zusage von der Hauptverwaltung der Wicking-Werke (Münster) über 50.000 Mark plus kostenlose Zementlieferungen (ebenfalls 50.000 Mark) ergänzt am 26.9. durch ein Kaufangebot für das Vereinshaus Krönerstr. für 80.000 Mark.

Inflationsbedingt scheint im November jedoch nur noch eine vom selben Architekten geplante "Notkirche" für 600 Personen aus Fachwerk in Reichweite (241.000 Mark Kosten).

Am 16. Dezember schätzt Pastor Fiebig selbst deren Baukosten schon auf 400.000 Mark.

Lieferungen 1924 aus den benachbarten Wicking-Werken

1922: Im März verwirft die Hohner Baukommission den Bau der Notkirche. Sie wollen eine Massivkirche und beginnen, Baumaterial zu sammeln. Vorhandener Zement wird gegen Bruchsteine eingetauscht (Stock & Hagen, Ibbenbüren), die Firma Schlenkhoff (Herne) wird überredet, kostenfrei Holz zu liefern. Bei der TWE beißt man sich bei den Transportkosten die Zähne aus. Man hofft eine zeitlang sogar auf eine Spende aus den USA (Carl-Friedrich Banning).

Lienener Str.

Beim Abladen, Schleppen und Lagern gingen die Hohner wo nur möglich selbst zur Hand. Hilfreich war der damals noch direkt am Bauplatz liegende Bahnanschluss zum ehemaligen Kalkwerk Windmöller (heute Südende der Bachstr.).

 

 

 

Intrup / Hohne 1929

Übrigens sollte die damalige Hauptbahn viergleisig ausgebaut werden mit einer Unterführung, die genau auf dem Hohner Kirchplatz geendet hätte.

 

 

 

Friedrich Fiebig, Pastor in Hohne 1917-29 *

1923: Im Frühjahr ist Baubeginn. Pastor Fiebig war es gelungen, Dr. Mann von den Wicking-Werken (heute Buzzi-Dyckerhoff) als einen der treibenden Kräfte zu gewinnen. Ihm zur Seite stand der Bauinginieur Johannes Butenweg und Professor Nieper.

Pastor Fiebig und Helfer sammelten in der Gemeinde, wo sie nur konnten. Was am meisten zu schaffen machte, ist die Inflation: so kosten im August 1923 drei Glocken aus Bochum 267 Millionen Mark. Im März 1924 sind es immer noch 3130 Goldmark plus Transport, Versicherung und Zoll aus dem besetzten Ruhrgebiet.

Stattdessen werden die Glocken mit Uhrwerk bei der Firma Ulrich und Weule (Bockenem) bestellt.

Grundsteinlegung 30.3. 24 *

1924: Mehrfach hatte Karl Siebold vom Betheler Bauamt Veränderungen eingefordert, schließlich handele es sich "nur um eine Landkirche".

Der Turm wird darum versetzt, aber gegenüber der Bauzeichnung vom Juni 1923 um ein Stockwerk  erhöht. Der Kirchraum behält die Breite von 11 Metern, wird jedoch in der Länge eingekürzt, um Platz für den Konfirmandensaal und somit für bis zu 425 Personen zu schaffen.

Dennoch kommt herbe Kritik vom Hochbauamt Münster am 21. Mai: die im August eingereichte Dachkonstruktion sei nicht tragfähig, zudem sei die Kirche "im Inneren und Äußeren gleich unbefriedigend". Weiter wird gefragt, wo denn die kirchenaufsichtliche Genehmigung für den Bau sei?

Diese kommt erst am 5. August. Da war die Kirche bereits zu drei Vierteln fertig.

Im Winter 1924/25 liefern die Hohner Bauern Roggen für den Kirchbau. Den erhalten Erwerbslose, die dafür die Sandsteine behauen.

Kirche Eilshausen

Immerhin war es dem Architekten Siebold vom Bauamt Bethel gelungen, das Prinzip "dehnbarer Kirchen" durchzusetzen, wie er es zuvor schon in der wesentlich größeren Kirche von Herford-Eilshausen (1914-1924) umgesetzt hatte.

 

 

Hohner Kirche um 1930: Der damalige "Triumphbogen" trennte Kirchenschiff und Chorraum. *

1925: Ab März läuten die Gußstahl-Glocken vom Kirchturm bei Beerdigungen. Bauarbeiten und Fundraising laufen auf Hochtoren.

Eingeweiht wurde die Kirche am 9. August (Zeitungsbericht). Die Decke im Chor war hellrot, die übrigen Wände zartgrün.

Das erste gemeinsame Lied in der neuen Kirche (bei noch unfertiger Orgel):

    "Sollt ich meinem Gott nicht singen,
    sollt ich ihm nicht dankbar sein..."

Festlicher Einzug mit Posaunenchor *

Feierliche Übergabe *

Innenraum mit Fleiter-Orgel

Noch im November weist der Orgelbauer Fleiter (Münster) darauf hin, dass 8.277 Mark an ihn zu zahlen sind.

Antwort der Gemeinde: "muß Ihnen zu meinem Bedauern mitteilen, ... sich wegen der Begleichung des Restbetrages noch zu gedulden."

Nach der Fertigstellung

Ausflug mit Pastor Brandes

Obwohl das "Vereinshaus" verkauft ist, finden bis 1960 dort noch viele Veranstaltungen in der Krönerstraße statt.

 

 

Hohner Posaunenchor ca. 1930

In den Dreißiger Jahren werden in der Kirche die Paramente ausgetauscht. Statt "Gott ist die Liebe" ist nun zu lesen "Jesu hilf siegen". Der tiefere Sinn ergibt sich aus dem Lied 373 aus dem Evangelischen Gesangbuch:

    "Jesu, hilf siegen und laß mich nicht sinken;
    wenn sich die Kräfte der Lügen aufblähn
    und mit dem Scheine der Wahrheit sich schminken,
    laß doch viel heller dann deine Kraft sehn..."

Teil-Liste von Mitgliedern der Bekennenden Kirche

Mit Pastor Brandes stellt sich die Hohner Gemeinde auf die Seite der Bekennenden Kirche (vgl. Stadtkirche 2).

 

 

 

Hohner Kirche nach 1948*

1945: Eine Woche vor der Konfirmation wurden am 13. März fast alle Fenster bei Bombenangriffen zerstört und mit Holzverschlägen geflickt.

1947: Die Missionarsfamilie Illing findet bis 1950 Unterschlupf im Hohner Pfarrhaus (1955 erneut entsandt nach Nias).

Erste Renovierungen und Bautätigkeit

Hohner Kirche nach 1952 *

1948: Die seitlichen Fenster werden durch solche mit Bildmotiven ersetzt.

1952: Die Chorraum-Fenster werden zugemauert. Auch ein neuer Abendmahlstisch wurde aufgestellt.

1953: Der Orgelsachverständige Arno Schönstedt rät, anstelle der "gänzlich unbrauchbaren" Fleiter-Orgel mit ihren 20 Registern eine kleinere mit 8- 9 Registern zu bauen.

Hohner Schwestern

1957- 60: der neue Kindergarten mit Jugendfreizeitheim und Gemeindehaus entsteht. Darin enthalten: Wohnungen für den Küster und die Gemeindeschwester. Hier tummeln sich bald über 12 Gruppen.

Bauarbeiten Pfarrhaus 1

Zur regen Bautätigkeit gehört auch die Errichtung eines Mahnmals (1958 von den Hohner Vereinen), einer Friedhofskapelle (1962) und zweier Pfarrhäuser.

 

 

 

 

 

 

 

Die Wolf-Orgel 1967 an dem alten Standort mit der Gedenkplakette an den ersten Gottesdienst 1925 *

1965: Mit Jahresbeginn wird Lengerich-Hohne selbständig, um u.a. eine weitere Pfarrstelle einrichten zu können.

Es leben hier 4383 Gemeindeglieder, der Zuzug von 1.000 Menschen in die Neubaugebiete wird erwartet. Eine Zahl, die bis zur Fusion mit Lengerich (2007) auch tatsächlich erreicht wird.

1966: Am 19.6. wird die zweite Pfarrstelle besetzt.

1967: Die 15 Register der neuen Wolf-Orgel (2 Manuale plus Pedal) erklingen zum ersten Mal am 10. Mai. (Hörprobe vom Orgeljubiläum 2017)

 

 

Schließung und Renovierung

1974/75: Am 30. Mai 1974 führen statische Mängel in der Dachkonstruktion zu einer Schließung der Hohner Kirche.

Vor der Wiedereröffnung 1975 wurde eine vom Kirchenschiff aus unsichtbare Stahlkonstruktion eingebaut, die die nun hängende Decke trägt. Zugleich wurde der Innenraum mit Rauhputz versehen, die Emporen abgebrochen und die Bankreihen mit Stühlen ersetzt.

Die Fenster (bis auf zwei im mittleren Turm) wurden komplett ausgetauscht und eine Fußbodenheizung wurde eingebaut.

Die damals gerade 8 Jahre alte Orgel wurde weiter vorne auf die Empore versetzt.

21. Jahrhundert

2000: Im Kirchturm wird eine Sendeanlage für Mobilfunk installiert.

2001: Der Kirchturm wird saniert und der Gedenkstein "Hohne 1088" wird enthüllt.

2007: Die Kirchengemeinden Hohne (5.000 Mitglieder) und Lengerich (11.000 Mitglieder) fusionieren.

2009: Bedingt durch Sparzwänge und dem Verkauf von Gemeindehaus und einem Pfarrhaus bleiben für die Arbeit vor Ort nur noch Kirche und Turmraum, ergänzt durch eine Küche in der Sakristei. Bis heute bewährt sich also das von Siebold durchgesetzte Prinzip der "dehnbaren Kirche".

Die Schlichtheit der Kirche ermöglicht darüber hinaus Veranstaltungen ganz unterschiedlicher Art.

Die Gottesdienstform steht in der reformierten Tradition.

Ernte-Dankfest

Feier mit Großeltern der Kindergarten-Kinder

Tauf-Gottesdienst

Reformationsgottesdienst 2016

Der "orangene" Luther (2017)

Kreuz von Wolfgang Kreutter (1975)

Das von Wolfgang Kreutter 1975 geschaffene Kreuz mit seiner eigenen Spannung von Leid (Dornenkrone) und Auferstehung (beleuchteter Mittelpunkt) hilft, in allen erdenklichen Legenslagen zu reflektieren über die Sinnhaftigkeit von Leben und Tod mit der Gewissheit, dass dem Tod sein Stachel genommen ist (1. Kor 15,55).

 

 

Flyer zur Hohner Kirche

* Bilder mit freundlicher Genehmigung vom Fotohaus Kiepker

Aktuelles

Hiob fragt nach Gott

Kinderkirche

SA 25. November, 10-12 Uhr
Bodelschwingh-Kindergarten

 

PRAY & EAT

dienstags 7.20 Uhr:

28.11. St. Margaretha
5.12. Stadtkirche / Martin-Luther-Haus
12.12. St. Margaretha
19.12. Stadtkirche / Martin-Luther-Haus

17. Lengericher Krippenausstellung

mit folgenden KONZERTEN

SEGELFREIZEIT 2018

vom 2. April 2018 bis 6. April 2018
für Jugendliche ab 12 Jahren

Download Einladung/Anmeldung